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Almut Behrens: Die Fahrt 2018

Reise des Partnerschaftsvereins Münster-York e.V.
vom 15. bis 22. Juli 2018

 

"BREXIT - KEEP CALM AND CARRY ON"

Zum 3. Mal schreibt Almut Behrens, eine Bochumerin, das Tagebuch der Yorkreise.
Meine Universitätsstadt Münster und der Partnerschaftsverein sind mir seit langem ans Herz gewachsen. Dies ist jetzt mein 10. Besuch in York, der erste mit lauter hochsommerlichen Tagen.
Ich fahre wieder mit Studienfreundin Ulla. Unsere Männer haben wir zu Hause gelassen.
Die wissen uns in allerbester Gesellschaft und gut aufgehoben bei den Organisatoren Bernhard Brämswig und seiner Frau Marianne Koch in dem von Klaus Gorschlüter wie immer meisterhaft gelenkten Bus ( auf einer Strecke von 1346 km ).
Für 30 Passagiere, 15 gestandene York-Freunde und 15 neue, die alle brav ihre Namensschilder angeklemmt haben, ist reichlich Platz.
Die Sitzgymnastik, bei der Mariannes beliebte Dosen mit Lakritz, Weingummi und Karamellbonbons über Kopf durch den Bus gereicht werden, stärkt das Gemeinschaftsgefühl, und innerhalb kurzer Zeit wachsen wir zu einer harmonischen Gruppe zusammen.

Dass ich mit meinem Geld und meinem American Express Reisescheck Schwierigkeiten bekommen würde, ahne ich bei der Abreise noch nicht. Es gibt neue 5- und 10-Pfund-Scheine aus
(waschbarem !) Kunststoff mit Spuren tierischer Fette (Aufschrei bei Veganern !) und eine zwölfeckige Pfundmünze mit dem Konterfei der Queen und auf der Rückseite - friedlich
vereint - die englische Rose, der walisische Porree, die schottische Distel und das (nord)irische Kleeblatt, sehr symbolisch in Vor-Brexit-Zeiten!

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Abfahrt erfolgt pünktlich um 9.30 Uhr vom Frie-Vendt-Platz, kurz danach vom P+R Parkplatz an der Weseler Straße.
Gut gelaunt erreichen wir Eindhoven, wo wir nicht das moderne Kunstmuseum, sondern das DAF-Museum ansteuern. ( DAF = van Doorne's Automobielfabriek ).
Das ist für alle eine Premiere, an der der größere Teil der Gruppe teilnimmt, die anderen machen einen Stadtbummel.
Ich als Nicht-Technik-Fan finde den Rundgang auf 3 Etagen vorbei an historischen Fahrzeugen und Vitrinen voller Miniaturautos interessant und bin fasziniert von der Firmengeschichte der visionären Brüder Hub und Wim van Doorne. Ein Teil des Museums stammt noch aus den 20er Jahren, wo sie Reparaturarbeiten für eine Brauerei ausführten. Es war ein langer Weg bis zur Entwicklung des vollautomatischen Variomatic-Getriebes für den DAF 600, den ersten niederländischen PKW, der 1958 seinen Siegeszug antrat.
Mit der leicht zu bedienenden Variomatic wurden später LKWs, Busse, Landwirtschafts- und Armeefahrzeuge, aber auch höchst ungewöhnliche Fahrzeuge ausgestattet,
z.B. Renn- und Rallyewagen, Amphibienfahrzeuge, Motorschlitten und - besonders chic - ein Urlaubsgefährt für die holländische Königsfamilie und ähnlich der Strandbuggy für Onassis und Jacky Kennedy mit Sitzen und Armaturenbrett aus Peddigrohrgeflecht.
Die Swinging Sixties lassen grüßen.
Gestärkt mit Kaffee oder Tee setzen wir die Fahrt nach Zeebrügge fort.
Die Fähre entern wir um 17 Uhr mit unserem Handgepäck.
Zwei Personen haben fehlerhafte Bordkarten. Auf meiner steht "Mr Behrens", auf der von Dieter R. "Mrs R". Wir nehmen es mit Humor. Nach kritischer Musterung von Person und Ausweis wird die "Geschlechtsumwandlung" anstandslos durchgeführt.
Die 'Pride of Bruges' ist etwas kleiner und älter als ihr Schwesternschiff für die Rückfahrt, dafür übersichtlicher und noch mit echten Schlüsseln für die Kabinen,
Das Büffet ist bunt und vielseitig englisch-indisch bestückt, mit schönen Vorspeisen und tollen Desserts.
Dann wird das Endspiel der Fußball-WM ( Frankreich-Kroatien 4:2 ) übertragen. Kein Vergleich zur Begeisterung und Atmosphäre in der Moonlight Lounge vor 4 Jahren auf der gleichen Fähre, als Deutschland Argentinien besiegte und wir überall als World Champions begrüßt wurden !
Wir sitzen noch etwas zusammen oder genießen an Deck den lauwarmen Sommerabend.

Montag, 16.Juli 2018

Der Morgen in Hull beginnt mit kleinen Pannen. Es gibt keinen Weckruf über den Lautsprecher,2 Personen verschlafen, das Frühstück wird eine halbe Stunde später serviert als in Mariannes schriftlicher Information durch die Reederei.

Ich will die Zeit nutzen, um in der Wechselstube meine alten Pfunde von früheren Reisen loszuwerden. Keine Chance !
Die Ausschiffung und die Fahrt nach York verlaufen problemlos.
Im Bus gibt uns Bernhard humorvoll Informationen in Hinblick auf den Empfang beim Lord Mayor, der nach der Queen, dem Arch Bishop of Canterbury und dem Lord Mayor of London die 4. Stelle in der Rangliste der Repräsentanten des UK einnimmt. Der Oberbürgermeister von York bekleidet genau wie sein Amtskollege in London das Ehrenamt nur ein Jahr. Marianne und Bernhard haben während ihrer jahrzehntelangen Kontake mit York schon mindestens 30 Lord Mayors kennengelernt.
Die Civic Party, die Stadtspitze, wird jedes Jahr vom Rat neu gewählt, wobei sich die Parteien abwechseln. In diesem Jahr sind es die Liberal Democrats. Die Civic Party besteht in der Regel aus dem Lord Mayor und seiner Frau, der Lady Mayoress, ihnen zur Seite der Sheriff und die Sheriff's Lady. In Zeiten der Gleichberechtigung können die Posten aber auch von Frauen bekleidet werden, z.B. gibt es seit Mai einen weiblichen Sheriff und ihren Ehemann, den
Sheriff's Consort, den 'Prinzgemahl'. Zum 60.Partnerschaftsjubiläum erschien letztes Jahr eine nur aus Frauen bestehendes 'Chain Gang', von uns scherzhaft so genannt wegen der Amtsketten, in Münster. Leider hat keine der Damen die Städtepartnerschaft ernsthaft unterstützt.
Um 10 Uhr erreichen wir in York das 1975 eröffnete National Railway Museum, das größte Eisenbahnmuseum der Welt – erstaunlicherweise immer noch kostenlos – mit Stars wie dem Flying Scotsman, dem japanischen Shinkansen und den königlichen Reisezügen. Das Museum wirkt lebendiger als früher. Es gibt heute eine technische Demonstration auf der alten Drehscheibe und einen Vortrag auf dem Bahnsteig der Royal Carriages von einer temperamentvollen Frau mit schauspielerischen Qualitäten.
Unseren Lunch nehmen Ulla und ich erstmals in der Gastronomie auf dem Bahnsteig mit den eleganten Salonwagen ein, Yorkshire Tea mit Scones. Im modernisierten, jetzt sehr attraktiven Souvenirladen werden wir fündig für große und kleine Eisenbahnfans daheim.
Um 14 Uhr erwartet uns Freund Andrew Hodges bei der Statue des Römerkaisers Constantin zum City Walk vom Minster bis zur mittelalterlichen All Saints Church North Street auf den Fundamenten eines Römertempels. Bemerkenswert sind die alten Glasfenster.
Beim Nachlesen im Internet entdecke ich Interessantes über die dortige Gemeinde, die dem konservativen Flügel der anglikanischen Hochkirche angehört, weibliche Pfarrer ablehnt und durchgesetzt hat, nicht dem liberalen Bischof von York, sondern dem von Whitby unterstellt zu werden.
Eine Begegnung mit freundlichen Yorker Straßenbauarbeitern erheitert alle in Hungate. ( Merke folgende Yorkshire Vokabeln: A street is a gate, a gate is a bar and a bar is a pub )
Die Männer fahren extra ein Ungetüm von Straßenbaumaschine weg und sperren den Autoverkehr, damit wir Fotos vom urigen Pub Black Swan neben einem supermodernen Glaspalast machen können.
Um 17 Uhr treffen wir uns mit Jenny Robinson, der Vorsitzenden und Andrew Boothroyd, dem Sekretär der York-Münster Association und weiteren Yorker Freunden im Mansion House, dem Amtssitz des Lord Mayor. Das Gebäude wurde nach umfangreicher Sanierung letztes Jahr wieder eröffnet. Den Empfang überhaupt möglich gemacht haben vor Ort Andrew Boothroyd und Councillor Andrew Waller. So funktioniert Städtepartnerschaftsarbeit.

Thanks a lot to both of you.


Empfangen werden wir im grüngoldenen Stateroom von Lord Mayor Keith Orrell und seiner Frau Judith, er im Anzug, sie in Sommbluse und dunkler Hose, beide mit goldener Amtskette. Bei ihr reicht diese bis übers Knie, ziemlich hinderlich beim Treppensteigen.
Es gibt Sekt, Orangensaft, nette Worte auf beiden Seiten, Austausch von Gastgeschenken, Unterschriften von uns allen in den Gästebüchern und das obligatorische Gruppenfoto. Danach dürfen wir die renovierten Räume besichtigen, den städtischen Silberschatz bewundern und im Kellergeschoss, begleitet von der Dame des Hauses, die historische Küche betreten. Einige Münsteranerinnen versuchen sich dort im virtuellen Kochen per Bildschirm.
Der Lord Mayor verabschiedet sich nach einer guten Stunde von jedem persönlich mit einem Anstecker des Stadtwappens von York ( kostet im Laden 3,50 Pfund).
Nun wird es aber wirklich Zeit fürs Abendessen im beliebten Toby Carvery, wo wir für 7 Pfund immer gut essen und dabei Roast Beef und Yorkshire Pudding probieren können.
Nach einem ausgefüllten Tag steuern wir dann unsere Hotels an, die Einzelreisenden die neu eröffnete Travelodge statt des Yorkhouse, das wegen betrügerischen Bankrotts (!) kurz vor der Reise ausgefallen war, die anderen das Ascot House. Die Brämswigs und ein weiteres Ehepaar wohnen bei englischen Freunden.
Im schmucken Ascot House mit Himmelbetten kümmert sich Familie Wood um die Gäste. Keith
ist Münster über seinen Chor eng verbunden, bekleidete einmal das Amt des Lord Mayor und war beim letzten Besuch der Königin im Mansion House für den Wein zuständig.

Dienstag, 17. Juli 2018

Heute geht es auf gemeinsame Fahrt nach Whitby. Im Bus werden die Erfahrungen mit den Hotels ausgetauscht – gute Betten, moderne Bäder, aber die Ascot-Leute haben eindeutig besser gefrühstückt.
Mit an Bord ist Harvey Graham, früher Leiter der York- Münster Twinning Association.
Erster Halt ist im malerischen Pickering, Ausgangspunkt der North Yorkshire Moors Railway. Unsere große Gruppe kann zwar nicht insgesamt mit der historischen Eisenbahn weiterfahren, aber Einzelplätze für "Newbies" gibt es noch. Das blumengeschmückte Städtchen mit dem altmodischen Bahnhof und einem großen Antique Market bietet für alle reichlich Fotomotive. Ulla und ich schauen beim Beck-Isle Heimatmuseum vorbei, das uns Merkwürdiges und Wunderbares aus der viktorianischen Ära verspricht, aber ganz viel Zeit haben wir an diesem strahlenden Morgen nicht, vielleicht später mal.
Ich versuche lieber, meine in England nicht mehr erwünschten Banknoten einzutauschen, aber die Angestellten der kleinen Barclays Bank und der Post sehen sich nicht dazu in der Lage, weil ich kein Konto bei ihnen habe. Nicht einmal in einem Charity Shop darf ich mit einer alten Münze zahlen, sie aber auch nicht in die Sammelbüchse werfen. Ich bekomme von der liebenswürdigen alten Dame an der Kasse den Tipp, englische Freunde mit Bankverbindung einzuschalten. Das klappt dann am nächsten Morgen anstandslos bei Keith Wood im Ascot House, aber meinen Reisescheck nimmt er nicht.
Klaus kutschiert zu Mittag die Nicht-Eisenbahnfahrer durch den Nationalpark der kargen Hochmoore, wo die Heide gerade zaghaft zu blühen beginnt und unzählige Schafe weiden, zum Fischereihafen Whitby, wo wir bis zum Abendessen fast 3 Stunden Zeit zur eigenen Erkundung haben. Keiner lässt es sich nehmen, hoch oben über der Stadt einen Blick auf die Abteiruine und den berühmten Friedhof, der Bram Stoker zu seinem Dracula-Roman inspirierte, zu werfen, und dann 199 Stufen zur Altstadt mit ihren malerischen Gassen hinunterzusteigen.
Am Fuß der Steintreppe liegt der älteste Juwelierladen für Whitby Jet, dem typischen schwarzen Trauerschmuck der Königin Victoria. Jet ist ein organischer Edelstein - Kohle aus dem Holz der prähistorischen Araukarie (Schuppentanne).
Heute werden in Whitby natürlich auch moderne Schmuckstücke hergestellt. In einem kleinen Laden sehen wir einem netten jungen Mann, der unzählige silberne Ketten und Totenköpfe trägt, beim Schleifen und Polieren zu. In Kürze wird ein neues Museum für Whitby Jet eröffnet.
Das Sherlock Holmes ist eins unserer Lieblingscafés, zuerst entdeckt von Gudrun und Klaus. Nach einer Teepause in dem ehemaligen Rasthaus aus dem 17. Jh. gehen Ulla und ich als alte Geographen zwar nicht noch einmal in das sehenswerte James Cook Museum an, sondern zum Denkmal des berühmtesten Sohnes der Stadt. Der gelernte Schiffbauer und spätere Weltumsegler hat einen Vogel. Es gelingt mir sogar, auch wenn die Möwe sich ständig bewegt und die grelle Sonne stört, ein paar skurrile Fotos zu schießen.
Der Tag in Whitby endet für die meisten am Pier bei Terry's mit leckeren Fish-and Chips, aber auch Ullas Riesenportion Krabbensalat schmeckte nach Meer.

Mittwoch, 18. August 2018

Nach den öden Moors geht es am Morgen durch die lieblichen sanft geschwungenen Dales zur Lavendelfarm in Terrington. Es ist eine wunderbare Anlage mit violetten Blütenteppichen, einem neu angelegten Labyrinth, dazu Wildblumen, alpine Pflanzen und große blaue Blechfiguren. Andrew Boothroyd, der engagierte Organisator der York Münster Association, und seine Frau Yvie Holder, ebenfalls aktiv im Verein, waren schon lange nicht mehr beim Yorkshire Lavender und sind begeistert von den vielen Veränderungen. Milde Morgensonne, weite Sicht, betörender Duft und viele Schmetterlinge – schöner könnte es gar nicht sein.
Das nächste Highlight, Castle Howard, oft als Filmkulisse genutzt, z.B. für 'Wiedersehen mit Brideshead', stammt aus dem frühen 18. Jh . Es ist auch beim wiederholten Besuch beeindruckend: ausgedehntes Parkgelände mit Wasserflächen, Tempeln und Statuen, ein ummauerter Garten, im Herrenhaus antike Skulpturen, Gemälde von Reynolds und Gainsborough und eine imposante Porzellansammlung. Einige der Prunkräume wirken etwas heruntergekommen, fast ohne Blumenschmuck. Flecken an den Wänden weisen auf fehlende Bilder hin. Wo 1940 ein Brand wütete - nicht von Bomben, sondern einem defekten Heizgerät verursacht - ist die Renovierung noch längst nicht abgeschlossen. Tische und Stühle am See brauchen dringend einen neuen Anstrich. Die Hitze dieses Sommers hat den Rosen und dem Rasen nicht gutgetan. Wo ist der Pfau ? Tragen die Veränderungen die Handschrift des neuen Hausherrn Nicolas Howard ?
Einige Münsteraner spazieren oder nehmen das Bähnchen zum Boathouse Café. Kath und Alan, der wegen seiner Knie OP nur mühsam laufen kann, sind mit dem eigenen Auto gekommen.
Die Rückfahrt nach York dauert wegen des Verkehrs länger als gedacht, aber mit einem
10-minütigen Endspurt erreichen wir etwas außer Atem pünktlich um 17.15 Uhr den Evensong
im Minster. Das ist die Gelegenheit, wunderbare englische Kirchenmusik, gesungen von 'Choristers', - Jungen und Mädchen zwischen 7 und 13 Jahren, unterstützt von professionellen 'Songmen' - zu hören und die Atmosphäre des Minsters ohne teuren Eintritt zu erleben.
Am Ausgang lege ich meine alten Pfundmünzen ins Kollektenkörbchen,
Die Kirche wird schon damit umzugehen wissen.
Bei Kennedy's in Little Stonegate gibt es am Burger Wednesday alle Fastfoodspezialitäten zum halben Preis und das in gepflegter Atmosphäre. Die Kombination Skinny Burger (= ohne Brötchen), mit Süßkartoffel-Chips, Cheddar Cheese und Salat kann ich nur empfehlen.
Nach dem Essen bietet Bernhard einen Ghost Walk an. York ist die Stadt mit den meisten Spukhäusern in ganz England. Gespenstern begegnen wir in der hellen Sommernacht nicht, aber Bernhard erzählt gruselige Geschichten an den Originalschauplätzen. Einer davon ist der Black Swan, wo wir den Tag ausklingen lassen.

Donnerstag, 19 Juli 2018

Heute geht es schon um 9 Uhr auf Tour. Zwei Damen aus der Travelodge werden vermisst. Ob sie wohl Opfer von Geistern geworden sind ? Zum Glück werden sie unterwegs gesichtet.
In der Falknerei von Thirsk empfängt man uns mit Yorkshire Humor, Kaffee, Tee und Kuchen. Wir besichtigen die Greifvögel, bevor die interessante Flugschau beginnt. Ich wusste es ja schon, Eulen, diese angeblich so weisen Tiere, sind viel weniger intelligent als man glaubt. Sie haben große Augen, dafür ist ihrem Kopf wenig Platz fürs Gehirn.
Einige Mutige nehmen am Ende fürs Erinnerungsfoto einen Vogel auf den Arm.
Rechtzeitig zum Lunch erreichen wir Newby Hall & Gardens.
Wer noch nie in diesem von Christopher Wren entworfenen Herrenhaus war, nimmt an einer der lohnenswerten Führung durch das Heim der Familie Compton teil. All die eleganten mit Chippendale-Möbeln, Tapisserien und Ölgemälden ausgestatteten Räume werden benutzt. Die Bibliothek, die Galerie mit römischen Statuen und die Orangerie kann man für Hochzeiten der etwas teureren Art mieten. Verstreut in den traumhaften Gartenanlagen - trotz der Trockenheit in allerbestem Zustand - gibt es Skulpturen aus Zimbabwe, eine Puppenhaus- und eine entzückende Teddybärenausstellung. Wir entdecken unter den 1000 Plüschtieren (steht so im Internet) die königliche Familie auf dem Balkon des Buckingham Palastes, den Teddy von Premierminister Blair und eine komplette kirchliche Bärenhochzeit – zeitlich genau passend für Freundin Ullas Hochzeitstag.
Sie und wir alle genießen am Abend unser festliches 3-Gänge Menü im Durham Ox.

Freitag, 20. Juli 2018

Dies ist nun der Tag mit Zeit zur Erkundung Yorks auf eigene Faust. Wer etwas Führung braucht, kann sich mittags Marianne und Bernhard anschließen.
Uns lockt erst einmal der Fußweg in die Innenstadt (20 Minuten), dann der Bummel durch die schönen alten Straßen. Die typischen üppigen Blumenampeln überall täuschen nicht darüber hinweg, dass es ganz viele Leerstände gibt - kein gutes Zeichen !
Ins Minster strömt eine Menschenmenge – schwarzeAnzüge, Kostüme, Hüte, Uniformen, Orden, Amtsketten. Es findet ein Gedenkgottesdienst für einen ranghohen Armeeangehörigen statt. Das Minster besichtigen kann jetzt niemand.
Immer einen Besuch wert ist das Castle Museum, wo Yorkshire Geschichte(n) und Alltag lebendig werden. Ein neuer Magnet ist z.Z. die Vivienne-Westwood Schuhsammlung.
Ulla und ich gehen als einzige in die Art Gallery, zunächst in die von Freundin Yvie empfohlene Ausstellung zum Thema Flucht und Migration, dann nach oben zu Porzellan und Keramik. Die edel glasierten Knöpfe in der Sonderausstellung stammen von der international rennommierten Keramikerin Dame Lucie Rie, die als Immigrantin aus Österreich in England während des Krieges Knöpfe als Marktlücke entdeckte. Geadelt wurde Lucie Rie aber nicht der Knöpfe wegen. Mit ihren außergewöhnlichen Tongefäßen entwickelte sie das schlichte Töpfern zur anerkannten Kunstrichtung 'Studio Pottery'.
Nach Tee und Carrot Cake draußen im Museumscafé zieht es Ulla auf die Stadtmauer und mich in die Buchläden, die Charity Shops und zu 'Duttons for Buttons', wo ich meine ganz persönlichen Souvenirs erstehe, ungewöhnliche Knöpfe, die ich zu Ohrclips umarbeiten werde.
Und dann verbringe ich noch eine ganze Stunde bei großen Yorker Banken. Erst bei Lloyds können mir ältere Mitarbeiter nach Telefon- und Internetrecherche helfen. Die jung Frau am Schalter, die im Zeitalter der Kreditkarten noch nie einen Reisescheck gesehen hat, überreicht mir strahlend
100 Pfund in bar.
Zurück im Hotel erfahre ich, dass Ulla auf der Mauer gestürzt ist und sich den Fuß verstaucht hat.
Und uns steht doch um 18.30 Uhr die Party mit den Yorker Freunden im Gemeindehaus der Kirche 'Edward the Confessor' bevor ! Dort werden wir mit Livemusik einer bekannten lokalen Band empfangen und erstehen Karten für die Tombola zugunsten der Partnerschaftsarbeit, die von der Stadt York finanziell leider gar nicht unterstützt wird.
Jenny und ihr Team haben wieder warmes Abendessen gezaubert. Wir spendieren wie immer Wein und Sekt.
Ehrengäste sind Sheriff Mrs Verna Campbell, Ehemann Prof. Colin Campbell und der uns gut bekannte grüne Ex-Lord Mayor Dave Taylor mit Partnerin und Councillor Andrew Waller. Das amtierende Sheriffpaar ist natürlich goldgeschmückt. Dave Taylor bekennt offen mit knallbuntem "Forever European" T-Shirt seine Anti-Brexit-Haltung.
Die Stimmung ist hervorragend. Krönender Abschluss der Party ist das Ziehen der Raffle-Tickets. Jeder Gewinner darf sich einen Preis vom großen Gabentisch aussuchen und bekommt noch ein Teil dazu. Ich wähle ein Buch über die Yorker Gässchen (Snickelways), einen hübschen tönernen Weinkelch und GB+EU Fähnchen.

Samstag, 21. Juli 2018

Am Morgen geht es Ullas umgeknicktem Fuß zum Glück wesentlich besser.
Um 10 Uhr sind alle Koffer verladen, und auf geht's zu unserer Abschiedsfahrt. Andrew Hodges und seine Frau Tricia ( Patricia Miller) kommen mit nach Münster.
Es soll heute noch eine Überraschung geben, auch für die beiden Einheimischen. Wir besichtigen Yorks erste Whisky-Destillerie 'Spirit of Yorkshire'. So heißt auch das Getränk, das sich allerdings erst 2019 nach 3 Jahren Lagerung in den Fässern Whisky nennen darf.
Nach dem Spirit-Tasting kommt die nächste Premiere für alle, der Besuch auf dem Landsitz Burton Constable Hall, einer elisabethanischen Anlage mit Gestüt (jetzt ohne Pferde), Wirtschaftsgebäuden, Orangerie, gepflegtem Garten und großen verpachteten Weideflächen.
Während des Krieges hat das Anwesen sehr gelitten. Es diente als Unterkunft für englische Soldaten und war Ziel von deutschen Fliegerbomben.
Die Familie Constable versuchte auf jede erdenkliche Art, Geld für die notwendigen Reparaturen zu beschaffen: Einrichtung eines Campingplatzes, Veranstaltung von Popkonzerten, Ausrichten von Hochzeiten und Bed & Breakfast - sehr beliebt bei amerikanischen Touristen. All diese Versuche reichten aber nicht aus, die nötigen Mittel aufzubringen. Der Familienbesitz wurde in eine Stiftung überführt. Die gröbsten Schäden sind nun beseitigt, das Haus entrümpelt und restauriert. Wir erleben freundliche und kompetente Ehrenamtliche, die uns gern über die Geschichte des Hauses und seine seltsamen Schätze informieren, z.B. den chinesischen Salon, das Chippendale Mobiliar, das Kuriositätenkabinett, drei pompöse goldene Stühle, auf denen Queen Victoria gesessen haben soll, und ein Pottwalskelett, das Hermann Melville zu "Moby Dick" anregte.
In einigen Zimmern stehen merkwürdige moderne Notenständer, und an manchen Stuhllehnen hängen gestickte Einladungen zum Hinsetzen "For Visitor Use". Über Geschmack lässt sich streiten, wir haben jedenfalls viel Spaß an dem Sammelsurium .
Bis Hull sind es nur 14 km. Die Fähre 'Pride of Hull' - größer und moderner als die 'Pride of Bruges' - befördert uns nach Rotterdam.

Sonntag, 22. Juli 2018

Bei der Tourist Information in Den Haag werden wir mit Stadtplänen versorgt und machen uns in kleinen Gruppen auf den Weg zu verschiedenen Zielen in der Innenstadt. 5 Stunden freie Zeit reichen aber auch für einen Ausflug zum Strand per Straßenbahn.
Die Helden sind ein bisschen müde. Ein Kaffee an der frischen Luft tut auf jeden Fall gut.
Freundin Ulla kann zum Glück wieder richtig laufen.
Wir statten zusammen mit anderen Interessierten Vermeers 'Mädchen mit dem Perlenohrring' und zahlreichen Rembrandt- und Rubensbildern im Mauritshuis einen Besuch ab und gehen anschließend nett essen.
Auch die schönste Reise geht einmal zu Ende. Auf dem letzten Rastplatz vor Münster wird es Zeit, Bernhard, Marianne, Klaus und Gudrun für Organisation und Teamarbeit herzlich zu danken. Bernhard Kerkmann hält eine launige musikalisch untermalte Laudatio.
Die traditionellen Umschläge – natürlich mit Inhalt – werden überreicht und unsere 'Viererbande' mit Ketten behängt.
Ein Wermutstropfen fällt in die fröhliche Runde. Klaus geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Alles Gute für die Zukunft, lieber Klaus ! Danke für 12 ganz wunderbare Yorkfahrten !

Und für uns heißt es nun KEEP CALM AND CARRY ON.
Suchen wir nach neuen Möglichkeiten, die städtepartnerschaftlichen Kontakte fortzusetzen !
2019 erwarten wir aber erst einmal trotz Brexit – oder gibt es in letzter Minute doch noch den
Exit vom Brexit ? - die Yorker bei uns.

Bochum, im August 2018                                                            Almut Behrens

 

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